Einmal im Jahr gehen Professoren und Dozenten des Studiengangs Film und Fernsehen der macromedia mit ihren Studenten auf Dreh unter Realbedingungen.

 

Was das heißt, kann man nicht mit ein paar Worten erklären. Es beginnt damit, dass einzelne Szenen eines Drehbuchs ausgewählt und heruntergebrochen werden müssen in diverse Auszüge, aus denen die Studierenden dann wiederum unter Anleitung einen Drehplan erstellen. Danach wird gecastet und man besetzt für die erforderlichen Rollen möglichst passende Schauspieler, überlegt mit diesen gemeinsam, welche Kleidung, welches Äußere für die Rollen, die diese verkörpern, am stärksten wären.

Dreh am Harthof

Dreh in Wohnung am Münchner Harthof

 

Parallel dazu bereiten die Studierenden leerstehende Wohnungen für den Dreh vor. Das umfasst das Leeren der Räume, das Streichen der Wände, das Einrichten mit Mobiliar gemäß der gewünschten Szenen usw. Außerdem kümmern sie sich um Genehmigungen und laden das Filmequipment in den Transporter der Hochschule. Der erste Drehtag fand dieses Mal am ZOB statt, dem Münchner Omnibusbahnhof, der freundlicherweise die Genehmigung erteilte.

 

Gleich zu Beginn stand eine echte Kranfahrt mit einem Panther-Kran auf dem Plan. Souverän bauten die Studenten des zweiten Semesters, begleitet von zwei Kamerastudierenden des vierten Semesters, den riesigen Kran im Einfahrtbereich des ZOB auf und sicherten sachkundig Plattform und Kranbereich ab. Das sieht schon sehr nach Kino aus, wenn man aus großer Höhe mit Blick auf die an- und abfahrenden Reisebusse aufsichtig beginnt und dann herunterfährt um gleich die Hauptakteure des Films ins Bild zu nehmen. Natürlich kann man als Regisseur bei derartigen Totalen keine Feinarbeit, was Mimik und Emotionen der Schauspieler angeht, leisten, doch ist es auch eine Herausforderung, das Timing gut zu wählen.

 

Mondlicht Simulation

Bläulich gefiltertes HMI-Licht durch Jalousien als Mondlicht-Effekt

Doch nach dem Umzug an die Innenlokation im Münchner Norden, am Harthof, wo die Studierenden in leerstehenden Wohnungen Räume nach ihren visuellen Vorstellungen streichen und einrichten konnten, war die Umgebung enger, ruhiger und die Feinarbeit mit den Schaupielern viel intensiver möglich. Speziell auch die Ausleuchtung ist in kleinen Räumen mit geringer Deckenhöhe ein besonderes Thema. Hier ist es von großer Bedeutung, für Tagszenen von außen mit größeren Lichteinheiten, wie den 2,5-KW-Arri-Daylights der mhmk in die Räume zu leuchten.

 

Kameramann und Dozent Thomas Meyer gibt zu bedenken, dass die Lichtrichtung für eine in einem Bett stattfindende Morgenszene vermutlich ungünstig sei. Doch er lässt die Studierenden erst einmal die Szene auflichtig ausleuchten, bis sie selbst merken, dass das Bild flach und gar nicht plastisch aussieht. Also wird der Scheinwerfer durch das Fenster auf der anderen Seite des Raumes eingerichtet, das Gegenlicht schafft eine viel spannendere Lichtsituation.

 

Jeder Fehler, den man in einer solchen Workshopsituation macht, macht man in keinem späteren Dreh mehr und vor allem die Organisation eines Sets und die Steuerung aller notwendigen Abläufe sind Learnings, die man niemals in der Theorie erzielen könnte.