Schublade, aus der Zeitungsauschnitte quillen

 

Eine Person sitzt drei Minuten lang auf einem Stuhl vor einer weißen Wand und wird dabei gefilmt.  Alles ist erlaubt, nur Sprechen nicht. Das ist das Konzept von Portraitdrome. Initiator des Projekts ist Luis Schubert, ein 21-Jähriger Filmemacher aus München. 

 

Die Idee ist sehr minimalistisch und dennoch passiert viel. Weder Augenzwinkern noch Mundzucken bleibt unentdeckt. Die Kamera wird zum präzisen Beobachter. Sie zeichnet jeden Blick und Gesichtsausdruck auf und scheint die Menschen zu durchleuchten. Es macht Spaß, zu sehen, wie verschieden jeder mit der Situation umgeht. Auf Musik wird bei den filmischen Portraits verzichtet. Die Stille erzählt und im Fokus steht der Mensch. Allerdings befindet sich nicht nur der Gefilmte im Mittelpunkt, sondern auch der Betrachter wird in das Projekt mit einbezogen und am Ende stellt sich die Frage, wer jetzt eigentlich wen anschaut. Eine Beziehung zwischen zwei fremden, voneinander entfernten Menschen entsteht. „In weiter Ferne, so nah“ würde Wim Wenders sagen.

 

Drei Minuten können ziemlich lang sein, merkt man beim Betrachten der Gesichter und es verlangt Geduld, sich ein Portraitdrome ganz anzuschauen. Doch vielleicht ist es genau das, was wir in einer Zeit, in der alles immer schneller geht, brauchen.

 

Luis Schubert inspiriert sich von den „Screentests“, an welchen Andy Warhol in den 50er und 60er Jahren arbeitete. Im Gegensatz zum Pop-Art-Meister gibt er den Menschen, die er filmt, keine Anweisungen. Er erklärt: „Ich möchte nicht, dass vor der Kamera gespielt wird. Ich will die Leute so sehen wie sie sind.“ Die Gefilmten sind alle Freunde oder gehören zur Familie. Professionelle Schauspielerei hat hier nichts zu suchen. Es geht um Realismus.

 

Hier ein Beispiel für die Projektvideos:

 

 

Portraitdrome: Léa from Luis Schubert on Vimeo.

 

Entstanden sind die meisten der Portraitdromes in einem Apartment in Paris. Bislang gibt es an die 20 Stück und alle drei Tage wird ein neues veröffentlicht. Gefilmt wird das Ganze mit simplen, aber wirkungsvollen Mitteln: einer Canon 600D, einem Stativ und Halogen-Licht.

Und zu den anderen Portraitdromes kommt ihr hier:

 

https://www.facebook.com/portraitdrome?ref=hl

http://portraitdrome.tumblr.com/