Früher, als die Geräte noch größer und schwerer waren, konzipierte man die Ergonomie in das Design der Gehäuse gleich mit. Heute ist das ganz anders, viele Kameras werden leichter und kleiner. Semiprofessionelle Kameras, die zwar hochauflösende Videos drehen können, aber für den Drehalltag ungeeignet sind, können mit Cages aufgerüstet werden. Cages sind eine Erweiterung der Möglichkeiten einer Kamera.

 

Gerade Spiegelreflex, Mirrorless oder kompakte Videokameras besitzen oft kaum Befestigungsmöglichkeiten etwa für externe Rekorder, Kontrollbildschirme, Akkus etc. Cages können die Bedienbarkeit, die Ausbaufähigkeit und Stabilität solcher Kameras deutlich verbessern. Zusätzliche Haltegriffe können auch helfen, die Kameras besser und ruhiger aus der Hand zu führen.

 

Die Zubehörindustrie liefert hier eine breite Palette an Rahmen an, die maßgeschneidert um die Kameras herum angebaut werden können und die dank einer Vielzahl von 1/4 Zoll Gewindebohrungen, all das Zubehör zulassen, was zu einem professionellen Aufbau gehört. Damit sehen sie ein wenig aus wie durchlöcherter Käse, weshalb man bei den Bodenplatten von Cages auch schon mal von "Cheese-Plates" spricht. Vom Mikrofon über die Matte-Box und Follow-Focus bis hin zu Gelenkarmen für den Monitor oder einen Akku muss nämlich für den professionellen Einsatz so Manches an die Kamera angeschraubt werden. Rigging nennen das die Amerikaner,- ein Begriff der eigentlich von den Segelschiffen stammt.

 

Nahezu jeder Zubehörhersteller, der über CNC Fräsen verfügt, lastet diese gerne durch die Herstellung von Cages aus. So finden sich Cages etwa im Sortiment von Bebob, Came-TV, Camtrol, Cinemecanix, Edelkrone, Ikan, Manfrotto, Neewer, SwedishChameleon, SmallRig, SixPro, Shape, Tilta, Wooden Camera, Zacuto oder Walimex.

 

 

Allerdings gibt es durchaus Qualitätsunterschiede, die beim alltäglichen Arbeiten ins Gewicht fallen. Damit sind wir indirekt schon bei einem der wichtigsten Kriterien angekommen, dem Gewicht. Oft sind die Cages deutlich schwerer als die ganze Kamera, die man da umbaut. Für Drehs aus der Hand keine wirklich gute Option. Hier zählt jedes Gramm und man sollte sehr genau hinschauen, wie der Cage aufgebaut ist und was er wiegt.

 

Cages können helfen, etwa die Verkabelung der Kamera besser aufzubauen. Semiprofessionelle Kameras leiden oft unter unprofessionellen Steckanschlüssen. USB-Mini oder HDMI Micro Stecker sind beispielsweise sehr sensibel und auch Miniklinke mit 3,5 mm ist sehr empfindlich. Spezialstecker, die teilweise mit dem Cage verbunden werden, helfen hier, in die sensiblen Buchen/Steckerkombinationen Stabilität zu bringen.

 

Abgesehen davon gibt es auch hervorragende Videokameras, deren Hersteller sich scheinbar keinerlei Gedanken darüber gemacht haben, wie man die Dinger eigentlich in der Hand halten soll, wie beispielweise die BlackMagic Cinema. Bei diesen Kameras ist ein Cage die einzige Möglichkeit, halbwegs sinnvoll aus der Hand zu drehen bzw. vernünftiges Zubehör anbringen zu können.

 

Viele Cages haben gleichzeitig eine integrierte Base-Plate an der man 15 mm Rods für Kompendium und Follow-Focus anbringen kann. Manche besitzen sogar oben Befestigungen für Rods, um noch mehr Zubehör-Optionen anzubieten. Manche kann man auch mit Handgriffen und einer Schulterauflage zu einem Schulter-Stabilisierungssystem erweitern, ähnlich den EB-Kameras.

 

 

Als Faustregel kann man vielleicht sagen, dass ein optimaler Cage sich wie eine zweite Haut um die Kamera schmiegt. Sie lassen dort Lücken, wo Stecker in die Kamera gehören oder Klappen für den Akkuwechsel geöffnet werden müssen. Außerdem ist nur dort Aluminium, wo es auch wirklich für die Stabilität und Funktionalität benötigt wird. Hohlräume zwischen Kamera und Cage vergrößern und beschwehren das System nur unnötig.

 

Natürlich sind Universal-Cages billiger, weil sie für viele Kameras irgendwie passen oder auch bei manchen Systemen recht gut angepasst werden können (Chrosziels Color Coded Custom Cage System) Aber sie sind damit auch schwerer. Das Angebot ist so breit, dass man nicht unbedingt die teuren Lösungen von Markenherstellern verwenden muss. Es lohnt sich durchaus, auch nach preiswerten, auf die jeweilige Kamera optimierten Alternativen zu suchen.