Indirektes Licht

Wenn der Scheinwerfer auf eine weiße Fläche, wie hier den Stoff, der an die Wand gehängt wurde, gerichtet ist und das vom Stoff reflektierte Licht beleuchtet die Szene, sprechen wir von "bouncen".

Es gibt beim Film sehr unterschiedliche Lichtarten. Die vielleicht wichtigste Unterscheidung ist zwischen hartem und weichem Licht zu machen. Dies ist nicht zwangsläufig eine Unterscheidung unterschiedlicher Lampentypen. Denn weiches Licht kann auch aus "harten" Lichtquellen wie Stufenlinsern (Fresnel) erzeugt werden, indem man diese durch große Rahmen mit Diffusorfolie, oder indirekt gegen große, weiche Reflektoren (z. B. Styroporplatten) oder einfach gegen weiße Zimmerdecken richtet. Umgekehrt gibt es aber keinen Weg, aus weichen Lichtquellen (z. B. Lichtwanne) hartes Licht zu machen.

 

Mit bloßem Auge identifizieren wir das weiche oder eher harte Licht recht schwer, sobald es aber Schatten wirft, können wir es ganz eindeutig unterscheiden. Weiches Licht macht sehr weiche Schatten, während das harte Licht klar abgegrenzte harte Schatten wirft.

 

Vorbild Natur

Es ist ein wenig wie in der richtigen Welt. Während die direkte Sonne hartes Licht liefert, bekommen wir weiches indirekt vom Himmel oder durch Wolken hindurch. Sonne kann glänzende Spitzlichter erzeugen (denken Sie nur an Wasserspiegelungen, Autolack, Glas, Schmuck etc.), während das weiche Licht bei bedecktem Himmel relativ gleichmäßige Helligkeit ohne Akzente liefert.

 

Hinweis: Wenn man mit der Maus über das untere Bild fährt, ändert sich die Lichtqualität

 

 

 

Weiches Licht, auch wenn es vom Himmel kommt, ist im Grunde die Basis einer Lichtsituation, das Grundlicht. Fügt man dann einen Daylight-Scheinwerfer (HMI) als Führungslicht hinzu, so übernimmt dieser, vereinfacht ausgedrückt, die Rolle der Sonne. Dieses Licht sorgt für die Brillanz und wirkt gegenüber dem etwas kälteren Himmelslicht (Farbtemperatur) genau wie die Sonne, etwas wärmer.

 

Praxis

Große Lichtwannen auf Stativen oder besser rollbaren Stativen, aber auch mittlere weiche Lichtquellen (Fluter) als Grundlicht (Fill) lassen sich, abgestimmt auf Kamera und Schauspieler positionieren und in der Höhe verstellen. Für Nahe bis Amerikanisch sind sie weiter vorn, für Totalen werden sie weiter nach hinten geschoben. Ein günstiger Winkel ergibt sich, wenn das Grundlicht in etwa aus der Kamerarichtung kommt. Als bevorzugte Höhe ist die Augenhöhe der Schauspieler anzusehen. Das ist leider nicht immer möglich und besonders im Studiobetrieb, wo das Licht von der Decke hängt, kommt das Grundlicht oft aus höheren Positionen.

 

Frostrahmen

Ein mit Frostfolie bespannter Rahmen kann ebenfalls das Licht weicher machen.

Wenn nicht so hohe Leistungen benötigt werden, kann man sehr gut mit den aus der Fotografie bekannten Soft-Boxes arbeiten, mit Chinesischen Laternen oder auch mit rechteckigen Rahmen bespannt mit Diffusor-Folie. Auch die weißen Schirme aus der Fotografie sind im Filmbereich sehr gut einsetzbar. Die modernsten Vertreter des weichen Lichts sind Leuchtstoffröhren. Sie verbrauchen wenig Strom und erzeugen längst nicht so viel Hitze wie klassische Scheinwerfer. Nachteil: Sie leuchten nicht weit und müssen deshalb recht nah (3-4 Meter) an den Schauspielern positioniert werden. Für eine Totale sind sie deshalb meist ungeeignet.

 

Besonders schön am weichen Licht, vorausgesetzt es ist nicht zu weit entfernt, ist, dass eine gleichmäßige Ausleuchtung etwa von Darstellern möglich ist. Das Licht schmiegt sich förmlich um die Gesichtskonturen herum.

 

Weiches Licht allein genügt nicht.

 

Ohne zusätzliche Akzente mit hartem Licht (Lichtkante etc.) birgt weiches Licht das Risiko in sich, dass die Personen flächig werden. Ein wichtiger Aspekt bei hartem Licht ist sein Randbereich. Dieser besteht bei Stufenlinsern aus harten Kanten. Man kennt das aus dem Show-Bereich. Der Spot ist rund und außerhalb seines Lichtkreises ist es dunkel. Stufenlinser erlauben meist, den Lichtkegel in seiner Größe und Intensität zu verändern. Dies geschieht, indem der Brenner gegenüber dem Reflektor vor- oder zurückgeschoben wird. Die Glaslinsen erzeugen relativ weiche Kanten, leider sind oft die Durchmesser der Tore vor den Scheinwerfern enger als der Linsendurchmesser und beschneiden damit die weichen Randbereiche. Durch Diffusor-Folien kann man die Kanten zusätzlich weicher machen. Gutes Filmlicht sollte, wie in der Natur, aus weichem Grundlicht und akzentuierendem, hartem Sonnenlicht bestehen um Glanzlichter zu erzeugen.