LED Scheinwerfer erobern die Filmbranche, da warnt eine französische Studie des staatlichen Forschungsinstituts Inserm vor ernsten Gesundheitsschäden. So ließ es die wissenschaftliche Abteilung der französischen Botschaft in Berlin verlauten.

 

Sie werden immer leistungsfähiger, sind kompakt, unempfindlich gegen Erschütterungen und leicht zu Verbauen und verbrauchen weniger Strom als Halogenscheinwerfer. Dass Schauspieler-innen nicht gerne in LED Scheinwerfer schauen, hat man immer wieder mal gehört, doch zumeist als psychologisches Phänomen eingeordnet.

 

Nun liefert eine Studie des Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung Belege dafür, dass LED Leuchten, und zwar auch die in unseren Haushalten, den Augen schaden können. Dazu muss man wissen, dass weißes LED Licht eigentlich von blauen LEDs erzeugt wird, welches durch gelbe Farbschichten einen weißen Lichteindruck produzieren.

 

Französische Studie alarmiert

 

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachblatt „Neuroscience“ veröffentlicht. Vergleiche an Tieren, im konkreten Fall Ratten, die entweder LED Licht hoher Intensität (6000 Lux), wie sie an Filmsets oft überschritten wird, oder Glühlicht oder Leuchtstoffröhren, zeigten dass bei beiden Versuchsgruppen Entzündungen in den Augen entstanden, welche Sehzellen absterben ließen. Bei reduzierter Helligkeit (500 Lux) allerdings, hatten nur noch die dem LED Licht ausgesetzten Tiere Schäden der Netzhaut.

 

Es ist schon länger bekannt, dass blaues Licht ungefiltert die Hornhaut des Auges passieren kann und Entzündungen in der Makula zur Folge haben kann. Konkret fördert es die Überproduktion eines Eiweißproteins welches Sehzellen zerstören kann. Zudem werden die Pigmentzellen der Netzhaut beschädigt. Allerdings treten all diese Schäden erst verzögert im Alter auf. Was das Problem verstärkt, die Augen von älteren Menschen sind besonders empfindlich gegenüber blauen Lichtanteilen in LEDs.

 

Das Problem betrifft längst nicht nur Filmscheinwerfer, im Gegenteil, diese sind im besten Fall aufwändig optimiert, um eine saubere Farbtemperatur zu produzieren, während Billigprodukte, die im Haushalt zum Einsatz kommen, höheren Blauanteil haben, weil Konsumenten nicht mit Farbtemperaturmessern nach kontrollieren. Es trifft aber auch nahezu alle Bildschirme, da LED-Backlight inzwischen Standard bei unseren Displays ist. Einige Hersteller wie etwa BenQ werben sogar damit, per "Low Blue Light Plus Technologie" schädliche blaue Lichtanteile zu reduzieren.

 

Der letzte Beweis fehlt noch

Die Industrie zweifelt die Studie aus naheliegenden Gründen an und verweist darauf, dass es ja keine Langzeitstudien mit Menschen gäbe. Das könnte allerdings auch schwierig werden, relevante Versuchsgruppen an Menschen 24 Stunden lang mit LED, Glüh,- oder Fluoreszenzlicht zu bestrahlen. So ergeht es allen Studien zur Gefährlichkeit von LED Licht, man testet an Tieren oder Zellkulturen und bleibt damit den letzten definitiven Beweis der Schädigung der menschlichen Retina schuldig. Doch man kann auf jeden Fall daraus ableiten, dass bläuliches Licht, also kurzwellige Lichtstrahlung je nach Dauer und Intensität die Macula degenerieren kann, so wie es auch Rauchen oder hoher Blutdruck tun.

 

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit in Bern hat bereits 2016 LEDs bei "sachkundiger Verwendung" kein gesundheitliches Risiko attestiert, zugleich allerdings davor gewarnt, LED Lichtquellen nicht näher als 20 Zentimeter an die Augen zu führen und nicht länger direkt in LED Spots zu schauen. Und LED-Lampen der Risikokategorie 2 oder 3 sollten keinesfalls in Haushalten verwendet werden. Also eine Entwarnung mit Warnhinweisen.

 

Maßnahmen

 

Handy oder Tabletdisplays sollte man daher lieber etwas wärmer abstimmen, und auch Computerdisplays, falls man nicht gerade Farbkorrekturen machen muss, ebenfalls. Grundsätzlich gelten LED Lampen mit warmer Farbtemperatur als weniger riskant, als jene mit Tageslichtfarbtemperatur, welche aber gerade an Filmsets wegen des Mischlichts mit Tageslicht, am häufigsten vorkommt. Außerdem werden Empfehlungen gegeben, nicht direkt in besonders helle LED Leuchten hinein zu schauen,- ein schwieriges Unterfangen an Filmsets. LED Leuchten von hoher Qualität sind oft genauer gefiltert und möglichst dem natürlichen Licht nachempfunden. Letztlich kommt es auf die Dosis an, aber die ist angesichts unserer täglichen Displaynutzung ohnehin bereits hoch.

 

Für Filmschauspieler-innen sollte bis zur endgültigen Klärung der tatsächlichen Gefährung gelten, möglichst nicht lange in helle LED Scheinwerfer zu schauen. Damit befinden sie sich übrigens in bester Gesellschaft,- die ersten Filmscheinwerfer in den Stummfilmstudios hatten einen so hohen UV Anteil, dass die Schauspieler-innen Sonnenbrillen trugen, die sie erst kurz vor der Aufnhame abnahmen. Ganz so heftig sind die LED Scheinwerfer dann doch nicht, doch man wird das Thema genau beobachten müssen. Die meisten Produktionen arbeiten ohnehin mehrheitlich noch mit HMI, Fluoreszenz und Halogenlicht, hier braucht man sich keine Gedanken zu machen.

 

Mehr Infos finden sich auf der Seite: https://www.baua.de/DE/Themen/Anwendungssichere-Chemikalien-und-Produkte/Produktsicherheit/Elektrische-Produkte/LED_node.html