Da war doch mal was...

Schon vergessen, nicht mehr auf dem Schirm? Es war im Jahre 2014, dass viele glaubten, Googles Brille "Glass" würde unser Sicht auf die Welt radikal verändern. Wir würden jederzeit ergänzende Informationen zur wirklichen Welt eingeblendet bekommen, Marketing Strategen sahen bereits ungeahnte Verkaufspotentiale für Produkte aller Art am Horizont. Jeder harmlose Spaziergang durch Innenstädte würde zu einem Feuerwerk der Kaufempfehlungen. Ganz nebenbei würde man touristische Informationen aller Art angeboten bekommen. Die Fantasien schienen grenzenlos, was mit derm mythischen Sehgerät alles möglich sein würde. Dann wurde es still um das gehypte Datensichtgerät. Eine Industrieversion versucht nun den zweiten Anlauf.

 

An der Datenbrille und den großen Wogen, die sie noch vor ihrem Erscheinen in den Medien auslöste, lässt sich vortrefflich studieren, wie Hypes funktionieren und wie schnell sie sich in Luft auflösen können. Datenschützer liefen Sturm gegen die angekündigten Möglichkeiten der Brille und natürlich löste es Angst aus, dass man unbemerkt Videos mit der eingebauten Kamera aufzeichnen könne.

 

Dem stand natürlich die Tatsache entgegen, dass man sein Gegenüber durch den auffälligen Plastikbügel der Brille stets als Datensammler identifizieren würde. Doch der Hype wollte uns Glauben machen, dass bald Jeder mit so einem Teil auf der Nase herumlaufen würde, Big Brother lässt grüßen.

 

Nun wie wir inzwischen wissen, kam alles ganz anders, Glass erlebte einen grandiosen Absturz und angesichts von Augmented Reality Brillen wirkt Google Glass heute wie ein harmloses Spielzeug. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass die "Glass" das Thema "Head Mounted Display" in unvergleichlicher Weise ins Bewußtsein brachte und sicherlich die Akzeptanz von den etwas später präsentierten VR und AR Brillen erleichterte.

 

 

Neustart jenseits des Hypes

Eine neue Version der Datenbrille wird nun speziel für die Industrie angeboten, wo sie helfen soll, Arbeitsprozesse zu erleichtern. Es sind vor allem unterstützende, assistierende Aufgaben in der industriellen Fertigung, welche nun von der Brille übernommen werden. Bisherige Erfahrungen sind offensichtlich gut, die Produktivität werde durch die Brille gesteigert, was nachvollziehbar ist. Wenn Techniker, Handwerker etc. bei der Arbeit nicht mehr von ihrer Aufgabe weggehen und auf Computerplätzen nach Informationen, Konstruktionsplänen oder Teilelisten suchen müssen, weil sie diese per Google Glass genau dort angezeigt bekommen, wo sie die Informationen benötigen, wird kostbare Zeit eingespart.

 

Ein paar Dinge haben sich, im nahezu identischen Design der ersten Ausgabe doch verändert. So hat die Kamera nun statt 5 ganze 8 Megapixel spendiert bekommen und eine rot leuchtende LED signalisiert Anderen, wenn man mit der Brille Videos aufnimmt.

 

Außerdem können verschiedene Gläser leichter eingesetzt werden, etwa auch Sicherheitsglas oder optische Gläser zum Dioptrienausgleich. Dazu kann man den Datenteil der Brille auf einfache Weise abnehmen.

 

Wer weiß, vielleicht lassen die positiven Erfahrungen aus der Industrie die Datenbrille eines Tages auch wieder bei den Privatkunden zu neuem Leben erwachen. Es bleibt jedenfalls spannend...