Videoprojektionen in Museum

 

Bildende Kunst hat sich stets neue Ausdrucksmöglichkeiten erschlossen und moderne Medien früh als Werkzeuge entdeckt. So war es nicht verwunderlich, dass Video recht früh in Form von Installationen Einzug in die Galerien und Museen fand.


Bewegte Bilder, die man stehend, gehend, um sich blickend erfahren konnte, entstanden Anfang der 70 er Jahre in unterschiedlichsten Anordnungen. Früh schon spielten mehrere Bildschirme (damals noch Röhrenmonitore, gerne auch getürmt) oder später Projektionen eine zentrale Rolle. Namen wie Bruce Nauman, Nam June Paik, Bill Viola , Douglas Gordon, Eija-Liisa Ahtila oder Pipilotti Rist sind eng mit dieser Kunstform verbunden.

 

Technik erweitert die Ausdrucksmöglichkeiten

Während anfänglich Röhrenbildschirme in unterschiedlichsten Anordnungen zentraler Bestandteil vieler Installationen waren, haben die stetig verbesserten technischen Möglichkeiten der Videodarstellung auch die verwendeten Mittel grundlegend verändert. Im Raum frei schwebende, teilweise halbtransparente Leinwände erlauben gänzlich andere Präsentationsmöglichkeiten. Während bei den frühen Installationen Videobänder mit all ihren Unwägbarkeiten und Laufzeitunterschieden eine gewisse Ungenauigkeit erzwangen, kann man heutzutage eine größere Anzahl von Videos vom zentralen Server bildgenau synchron abspielen. Damit sind so spannende Synchronitäten wie etwa in "Manifesto" von Julian Rosefeldt möglich, wo die Schauspielerin Kate Blanchet, die in verschiedenste Rollen geschlüpft ist, von allen Leinwänden zeitgleich vom Sprech,- in einen Singmodus wechselt.


Die Wahrnehmung dieser Videoinstallationen unterliegt anderen Gesetzmäßigkeiten als ein Film. Die Art wie man sie wahrnimmt, wie sie hergestellt und kombiniert werden, unterscheidet sich von der zumeist linearen Wiedergabe eines Films fundamental. Die Parallelität mehrerer Bildflächen, zeitliche Verschiebungen und optische Zerlegungen erlauben andere, mehrkanalige Erzählweisen, die häufig ohne gesetzte Start,- und Endpunkte arbeiten.

 

Röhrenfernseher

 


Die Ausstellungsräume, häufig aufwändige Ensembles mehrere Videobeamer und Leinwände sind wichtiger Bestandteil der Installationen selbst. Der Weg den wir als Betrachter durch diese Installationen hindurch gehen, variiert zugleich deren Wirkung. Videoinstallationen benötigen häufig große, abgedunkelte Flächen und zahlreiche Hochleistungsbeamer.

 

Seit Anfang 2016 ist die Videoinstallation "Manifesto" von Julian Rosefeldt in diversen Museen zu sehen, seine zweite große Arbeit dieser Art nach Asylum (2001/02). Die aufwändig ausgestatteten und gedrehten Videos sind präzise aufeinander abgestimmt und so im Raum verteilt, dass sie einerseits die Konzentration auf das einzelne Video zulassen, andererseits aber die anderen Leinwände spür,- und hörbar einschließen.

 

Virtuell noch kaum entdeckt...

Mit VR steht ein neues Medium zur Verfügung, Videoinstallationen den Betrachtern auch außerhalb von Galerien und Museen zugänglich zu machen oder sogar gänzlich eigene Visionen zu erzeugen, die es nur in VR so geben kann. Inwieweit sich Videokünstler darauf einlassen werden, die Exklusivität, die Limitiertheit ihrer physischen Installationen aufzuheben und die Inhalte auch in VR anzubieten, wird sich zeigen.


Jedenfalls gehören Videoinstallationen definitiv zu jenen Kunstformen, die sich in VR idealtypisch umsetzen lassen. Viele der Videokünstler suchten in der Vergangenheit nach Formen, Räume und Situationen jenseits der Begrenztheit zweidimensionaler Projektion, den Betrachter umgebend zu gestalten, womit sie zentrale Wirkungsweisen von VR vorweggenommen haben.


Die Vorteile, dass in VR keine anderen Besucher das Videobild abdecken oder die Sicht versperren oder dass man nicht zwingend an die Orte der Ausstellung reisen muss, stehen allerdings zugleich dem Fehlen der anderen Besucher als Teil der Installation, gegenüber.

 

Erste Mischformen sind bereits produziert worden, wie etwa die VR Videos von Björk. Für ihr Album Vulnicura beauftragte sie verschiedene VR Filmemacher, bislang acht VR Musikvideos mit ihr zu drehen. Diese wurden sowohl online als VR veröffentlicht als auch in der Ausstellung "Björk Digital" im Londoner Somerset House präsentiert.

 

Liste wichtiger Videokünstler: http://www.art-report.com/de/ranking/top-30-videokuenstler-lebend